Praxistest Tamron Weitwinkel 10 – 24 mm
Lange Zeit steht eine Vollformat-DSLR-Kamera auf meiner Wunschliste, weil durch den elenden Crop-Faktor mein geliebtes 20-mm-Weitwinkel meiner
Analog-EOS-5 zu einem Durchschnittsweitwinkel entsprechend 32 mm degradiert wird. Nach meinem Praxistest mit dem Tamron 10 – 24 mm / f 3,5 ~ 4,5 scheint eine Versöhnung mit dem kleineren APS-C-Format in greifbare Nähe gerückt.
Tamron 10 bis 24 mm
Ich gebe zu, das Problem mit dem Crop-Faktor haben nur “altgediente” Fotografen, deren Sehgewohnheiten auf dieses jahrzehnte alte 35-mm-Kleinbildsystem kalibriert sind. Mit dem angebotenen Brennweitenspektrum dieses Weitwinkels deckt man aufs Vollformat bezogen den Bereich von 16 bis 38 mm ab — ein prima Bereich im Menschengetümmel oder bei großen Objekten, wenn man dicht davor steht.
Praxistest bedeutet, daß ich “ganz normal” im Alltagseinsatz fotografiere und meinen persönlichen Eindruck wiedergebe. Es ist keine technische Laboruntersuchung wie beisplw. beidpreview (Feb. 2009). — Getestet mitCanon EOS 300 undEOS 500.
Hintergrundinfo von Tamron
Das Objektiv wird bereits im Januar 2008 vorgestellt und ist somit heute gut im Markt vertreten. Das 10 – 24 mm ist lt. Tamron die verbesserte Weiterentwicklung des bekannten Tamron 11-18mm F/4.5 – 5.6 und wartet mit höherer Leistung und besseren Spezifikationen auf. Die Lichtstärke wurde von F/4.5-5.6 auf F3.5-4.5 verbessert bei gleichem Filterdurchmesser von 77 mm. Das neue Zoom nutzt zwei LD-Gläser, um die axiale und laterale chromatische Aberration zu beheben, die ein Haupthemmnis zum Erreichen optimaler Bildqualität sind. Um eine außergewöhnliche Qualität zu erreichen wurden außerdem ein aus Glas gepresstes asphärisches Element und drei hybrid-asphärische Elemente zur Eliminierung des Komas und der Verzeichnung eingesetzt.
Ein wichtiger Punkt ist die Naheinstellgrenze von nur 24 cm, die gerade für den Weitwinkelbereich wichtig ist. Nah an ein Motiv heran zu gehen, erlaubt uneingeschränkte Kontrolle und Kreativität. Eine serienmäßige tulpenförmige Streulichtblende gehört zum Lieferumfang und vermindert Reflexionen. Das Objektiv ist für Canon, Nikon, Pentax und Sony erhältlich.
Praxistest am Flugplatz
In der Praxis macht das Objektiv Spaß, weil es auch an einem kleine APS-C-Sensor ein richtiges Weitwinkel ist. Zum vollen Einsatz kommt es bei der Präsentation des neuen Airbus A320 “ATRA” bei der DLR in Braunschweig.
Nahe dran und trotzdem viel zu sehen.
Mit seinem Forschungsflugzeug ATRA, einem speziell modifizierten Airbus A320, setzt das DLR einen Meilenstein in der europäischen Luftfahrtforschung. Im April 2010 ist am DLR-Standort Braunschweig der eigens errichtete Flugzeug-Hangar fertig gestellt, das neue Zuhause des größten DLR-Flugversuchsträgers. Die hochmoderne Halle ermöglicht den Betrieb des Forschungsflugzeugs von Deutschland aus. Die herausragenden Eigenschaften des ATRA eröffnen der deutschen Luftfahrtforschung vollkommen neue Dimensionen und festigen ihre Stellung an der Weltspitze. Erstmals erscheint ATRA zur Halleneinweihung jetzt auch im einheitlichen Livery in der DLR-typischen Lackierung und wird im Rahmen der Veranstaltung getauft.
Die Bilder des Albums sind nur bedingt für das “beliebte” Schärfesuchspiel als Qualitätsmerkmal geeignet, da ich gerade im Nahbereich nicht auf Tiefenschärfe geachtet habe und bei Innenaufnahmen auch von der Belichtungszeit her ans Limit gegangen bin (z. B. Cockpit). Außerdem sorgt die JPG-Komprimierung für eine Verstärkung. Wie bei allen meinen Bildern im Praxistest geht es um die Vermittlung des Bildeindrucks, den man mit diesem Objektiv erreichen kann.
Einen Bildstabilisator wie er heute bei vielen hochwertigen Objektiven üblich ist vermißt man in diesem Brennweitenbereich nicht. Allerdings ist der Einstellring für die Entfernung nicht entkoppelt, so daß man im Getümmel mit falschem Fokuspunkt nicht schnell per Hand korrigieren kann (man muß also ggf. auf “MF” umschalten). Obwohl man das Tamron-Objektiv mit dem gewöhnlichen EF-Bajonett (roter Punkt bei Canon) auch an eine Analog- oder Vollformatkamera paßt, ist dort ein sinnvoller Einsatz nicht möglich, da es als “Di II” speziell auf den Bildkreis der kleineren APS-C-Sensoren angepaßt ist. Aus Canon-Sicht drehen Entfernungseinstellung- und Zoom-Ring verkehrt herum, so daß gemischte Nutzung mit Originalen u. U. gewöhnungsbedürftig ist.
Mit rund 400 Euro bietet das Tamron 10 – 24 mm ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das bei Insidern bekannte Peleng 8-mm-Weitwinkel bringt als alter “Geheimtipp” für eine günstige Alternative im Weitwinkelbereich auf Grund des wachsenden Bekanntheitsgrades kaum noch Vorteile (es ist ja außerdem ein “fisheye” mit entspr. Verzerrung) oder eine Preisersparnis bei z. Zt. knapp 300 Euro. — Das Tamron sowie das ebenfalls getestete Sigma 10 – 20 mm verhelfen auch einer Kamera mit Crop-Handicap zu einem starken Weitwinkel mit beeindruckender Perspektive.
[Update]
So sieht’s übrigens aus, das Peleng 8 mm — hier aus einer typischen Ebay-Auktion, Artikel-Standort: Minsk, Litauen.
Das sagenhafte Peleng 8 mm in einer Ebay-Auktion (Quelle: Ebay)


