Was ist der Crop-Faktor?
Der von Oskar Barnack in die Fotografie eingeführte 35-mm-Film im “Kleinbildformat” ist neben dem Rollfilm (120) lange Zeit das Maß aller Dinge. Seither gilt eine Brennweite von 50 mm als “Normal”-Objektiv, 35 mm und weniger als Weitwinkel sowie 70 mm und mehr als Tele. Da der damit verbundene Abbildungsmaßstab aber unmittelbar mit der Negativ- bzw. Chipgröße zusammenhängt, verändert sich diese Einteilung, wenn der Chip kleiner oder größer ausfällt als das typische Kleinbildformat (135, “full frame”).
Die Hersteller von Digitalkameras geben bei den Objektiven gern ein Äquivalent an, damit man das Objektiv hinsichtlich des erzielbaren Abbildungsmaßstabes einschätzen kann. Da die Chips in den meisten Kameras erheblich kleiner als Kleinbildformat sind, würden solche Angaben wie 7 bis 21 mm Zoom irritieren und ohne Kenntnis der genauen Chipgröße auch nicht einschätzbar sein.
Wer mit einer Kompaktkamera fotografiert, kann dies alles zur Kenntnis nehmen, aber auch wenig dran ändern. Ganz anders bei Fotografen, die Objektive einer “normalen” Spiegelreflexkamera (d. h. mit Film) an einer digitalen SLR weiter verwenden wollen. Wer weniger als 2.000 Euro ausgibt, verfügt dann nämlich nur über einen APS-C-Sensor — und aus der sauteuren Superweitwinkeloptik mit 19 mm wird im Abbildungsmaßstab scheinbar ein schwächliches 30-mm-Weitwinkel. Dieses Phänomen wird oft fälschlicherweise “Brennweitenverlängerung” genannt. Tatsächlich ändert sich ja nichts an der Brennweite, aber durch den kleineren Chip wird auch nur ein Teil des Bildes aufgenommen, was wie eine längere Brennweite wirkt. Weil das Bild durch die kleinere Sensor-Größe quasi “beschnitten” wird, spricht man vom “Crop”-Faktor.
Wer als geübter Fotograf von der Analog-Fotografie kommt, freut sich eher selten über diese Tele-Wirkung — die geht nämlich zu Lasten eines leistungsfähigen Weitwinkels. Auf der anderen Seite verändert sich auch die Tiefenschärfe-Relation, so daß es schwieriger wird, das Motiv durch gezielte Unschärfe vom Hintergrund zu lösen.
