CeBIT-Nachlese: Tablett-PC & E-Book.

CeBIT 2010

Wieso soll ausgerechnet das iPad die “Revolution im E-Book-Markt” auslösen? Vielleicht, weil sich Apple zunehmend als oberste Zensurbehörde aufspielt und den Verlegern eine restriktive Zugangskontrolle und gnadenloses DRM verspricht?

Denn wenn es mit dem E-Book bzw. elektronischen Zeitungen nicht voran geht, liegt es weniger an technischen Problemen als an Vertriebsmodell und Nutzerkontrolle. Momentan sind E-Books kaum billiger als das gedruckte Pendant — dafür aber nur eingeschränkt nutzbar (z. B. Hardware erforderlich, kein Ausleihen, kein Weiterverkauf, keine Notizen, Zitieren, Drucken usw.). Hier wird nur auf die Interessen der Verlage geachtet (und das sind nicht autom. die der Autoren!), auch der Leser kommt nur als Kostenfaktor vor. Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler — allerdings hat man den Eindruck, daß der Fisch das nicht weiß…

Auch als Hardware ist das iPad weder Fisch noch Fleisch: Als Reader zu fett mit zu wenig Laufzeit, als Tablet(t)-PC zu eingeschränkt . — Doch es gibt Hoffnung: Auch wenn viel geunkt wird, daß man auf der CeBIT keine echten Neuheiten findet, muß man nur genau hingucken, was unscheinbar in den Vitrinen liegt.

TrekStor eReader
TrekStor eReaderTrekStor — mir eher bekannt durch Festplatten — zeigt beispielsweise den eReader.

TrekStor eReader

Das Gerät ist etwa DIN A5 groß und hat ein e-Ink ähnliches Display, das praktisch nur zum Umblättern Strom benötigt (Größe 800 x 600 Pixel). Die Schrift ist klar und sehr gut lesbar. Im Gegensatz zu ähnlichen Geräten bietet es 16 Graustufen, so daß auch Bilder gut erkennbar dargestellt werden können. Außerdem bietet es einen Touchscreen und macht damit einen Schritt in die Richtung “Lese-Tablett” — man kann also auch Eingaben ohne fummelige Tasten am Rand machen.

Auch der Vertriebsansatz geht in die richtige Richtung: Ab 1,- Euro als “Zugabe” zu einem entsprechenden Zeitungsabo. Dabei ist das Gerät auch für andere Formate offen: DNPF, EPUB, PDF, RTF und TXT. Und: Es taugt auch zum MP3-Spieler. — Unter dem Strich ein interessanter Ansatz.

Asus E-Book-Reader
E-Book-Reader von AsusAuch bei Asus gibt es eine Menge Geräte zu sehen, u. a. diesen schicken E-Book-Reader DR-900.

E-Book-Reader von Asus

Er hat ein 9-Zoll-Display mit kapazitivem Touchscreen (768 x 1.024 Pixel), ist ca. 1 cm dick und wiegt ca. 0,5 kg. Als Anzeigetechnik wird “SiPix” verwendet, das mit einer Akkuladung 10.000 Umblättervorgänge ermöglichen soll — denn zum Anzeigen wird kein Strom benötigt. Der interne Speicher von 2 Gigabyte kann via Micro-SD-Karte erweitert werden. E-Books werden als PDF, EPUB und TXT unterstützt, zusätzlich gibt es für 26 Sprachen Text-to-Speech. Als kleinen Bruder gibt es eine 6-Zoll-Variante. Auch bei diesem Gerät begeistern das klare Schriftbild, Gewicht und Stromverbrauch.

MSI Dual Screen
Schon im Vorfeld der CeBIT stellt MSI einen Dual-Screen-Reader mit Doppeldisplay vor. Hier wird zwar nicht gerade auf Stromverbrauch geachtet, aber es steckt ein interessantes Konzept dahinter.

Im Beitrag “Hands-On: Dual-Screen-Reader von MSI” finden sich neben Fotos auch ein Video-Review mit J. Stern.

$95 Android Tablet
Und wenn wir schon mal bei Engadget sind, kann man auf “FirstView’s $95 Android” verweisen. — Vielleicht nicht so chique wie ein iPad, vielleicht nicht so sparsam wie ein E-Reader, vielleicht keine “connectivity” wie ein Smartphone — aber für 100 Dollar bleibt kein Kater wenn die Ernüchterung kommt. Macnews spricht sogar von 50 Konkurrenten dieser Art für das iPad (beruft sich dabei allerdings auf Computerworld “ARM sees over 50 new iPad-like devices out this year“).

 

[Kommentar] Wer nicht heiß auf ein neues Gimmick im Frühjahr ist, sollte den Hype um das schwache iPad abwarten. Viele interessante Geräte zwischen Reader und Tablet sind in der Mache, mit weniger Zensur und mehr Möglichkeiten und günstigen Preisen. Ich werde sogar erstmal das Update meines Netbooks zurückstellen, falls ein ähnlich leistungsfähiger Tablet-PC greifbar wird. — Laut einschlägiger Untersuchungen sollen Messeneuheiten durchschnittlich nach 4 bis 8 Wochen im Handel verfügbar sein bzw. “Vorgänger” günstiger werden. Schau’n wir mal…

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  1.   Digitales Rauschen by DigitalesRauschen — 13. July 2010 @ 14.33

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