Big Brother Google: Webprotokoll weiß alles.

Wenn man im Internet surft oder gezielt recherchiert, benötigt man Unterstützung, um der der Informationsflut Herr zu werden: Zuerst bei der Suche, dann um das Gefundene irgendwie zu verwalten. Klassisches Mittel dazu ist das Lesezeichen (auch: Bookmark oder Favorit). — Das macht man aktiv.

Doch was tun, wenn man das Setzen eines Lesezeichens vergessen hat oder die Sitzungswiederherstellung nach einem Absturz des Browsers nicht klappt? Die meisten Browser speichern automatisch eine “History”, an Hand derer man die Surfaktivitäten nachvollziehen kann, oft nach Tagen sortiert wie “heute”, “gestern”, “vor 3 Tagen” oder “vor 1 Woche”. — “Natürlich” einsehbar für jeden, der an den Computer heran kommt…

Google Webprotokoll

Google Webprotokoll

Doch der Schock ereilt mich, als ich mich bei iGoogle anmelde und in der Kopfzeile das Stichwort “Webprotokoll” entdecke. Dort sind nicht nur alle über Google gesendeten Suchanfragen gespeichert, sondern auch angeklickte Seiten. Zusätzlich kann man sich man Auszüge nach Blogs, Bücher, Karten, Videos usw. generieren lassen. — Das alles geschieht gleichsam “nebenbei” und muß aktiv ausgeschaltet werden.

Bedenklich: Damit kann man nicht nur sehen, wonach gesucht wurde, sondern ggf. auch Rückschlüsse auf andere Tätigkeiten ziehen: “Massematte” und “Der entwendete Brief” kamen im “Wilsberg”-Krimi am Abend vor — also ferngesehen (Netbook-User?). Den Font Calibri sucht man möglicherweise, wenn man ihn von Windows Vista her kennt, ihn selbst unter Windows XP aber nicht hat. Das Protokoll ist dabei auch vom Rechner unabhängig, die Liste stammt von verschiedenen PC-Arbeitsplätzen (aber dem selben Google-Account). Fast zwei Jahre reicht das Protokoll zurück.

Google Webprotokoll vergißt nicht...

Google Webprotokoll vergißt nicht…

Und jetzt komme man mir nicht mit dem Spruch “Wer nichts zu verbergen hat…”. Allein die Existenz dieser Möglichkeit schafft Begehrlichkeiten! — So warnt selbst das BSI im Zusammenhang mit einer ähnlichen Funktion beim Google-Browser “Chrome” (The Inquirer):

(…) Zum anderen sei die Anhäufung von Daten bei einem Anbieter kritisch, erklärte BSI-Sprecher Matthias Gärtner: “Die Größe des Datenpools, über die das Unternehmen dann verfügt, ist beängstigend und wird Begehrlichkeiten wecken, möglicherweise auch bei Ermittlungsbehörden.” Und als Behördensprecher sollte er doch wissen, worüber er spricht. (…)

Was nun? Auf den ersten Blick ist kein “Protokoll löschen” zu entdecken. Selbst ein komplettes Löschen des Accounts bedeutet ja noch lange nicht, daß alle damit verbundenen Daten automatisch verschwinden! — Die ursprünglich gesuchte Seite habe ich übrigens trotzdem nicht gefunden (war wohl nicht bei iGoogle eingeloggt).

Webprotokoll löschen
In der Fußzeile findet sich die “Webprotokoll Hilfe”. Dort findet sich ordentlich verschachtelt dann die gesuchte Information:


Google-HilfeGoogle-Konten-HilfeDie personalisierte Google-NutzungWebprotokoll › Löschen

Verwenden des Webprotokolls: Löschen

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, das Webprotokoll aus Ihrem Google-Konto zu löschen. Führen Sie hierzu die folgenden Schritte ausWebprotokoll entfernen:

  1. Klicken Sie auf der Google-Startseite auf den Link Mein Konto.
  2. Klicken Sie neben “Meine Produkte” auf den Link Bearbeiten.
  3. Klicken Sie auf die Option zum Löschen des Webprotokolls. Der Link “Mein Konto” wird nur angezeigt, wenn Sie in Ihrem Google-Konto angemeldet sind.

Hinweis: Durch das Löschen des Webprotokolls aus Ihrem Google-Konto werden alle Elemente aus Ihrem Webprotokoll gelöscht. Außerdem wird das Aufzeichnen des Webprotokolls bis auf Weiteres verhindert. Sie können auch einzelne Elemente entfernen, ohne Ihr gesamtes Webprotokoll zu löschen.

(Quelle: Google a. a. O.)

[Update]

Webprotokoll gelöschtKeine Frage, was ich gerade gemacht habe: Webprotokoll wurde aus Ihrem Konto entfernt. — Was bleibt ist das mulmige Gefühl: Werden die Daten von Google möglicherweise heimlich als “Nutzerstudie” weiter verwendet? Wird das Löschen von Nutzerprotokollen bald eine Strafttat sein? Schon jetzt werden ganz “selbstverständlich” viele Gesetze rückwirkend angewandt…

[Update II]

Ich ahne inzwischen, wie ich mir das Webprotokoll “eingefangen” habe: Vor Ewigkeiten hatte ich mal die “Google Toolbar” installiert und dort im Lauf des Installationsprozesses irgendeiner Datensammlung zugestimmt… Daß die auch munter weiter geht, nachdem ich das Tool gar nicht mehr nutze (gar nicht installiert habe!), ist unerfreulich. Außerdem scheint Google ja inzwischen munter weiter Daten zu personalisieren, wenn z. B. ein Gmail-Konto usw. erkannt wird.

6 Comments

  • By Acromeno, 4. April 2010 @ 17.41

    Jetzt krieg dich mal wieder ein.

    Von wegen “niemals zustimmt”, dass muss man bei der Erstellung des Account aktivieren, also nix mit heimlich mitgelesen.

  • By Amin Oussar, 23. March 2010 @ 16.17

    OMG. Musste nach aktivieren meines Protokolls ebenfalls feststellen, dass meine sämtlichen Suchdaten seit Jahren schon längst gespeichert wurden… das ist nicht die feine englische art ;)

  • By Arnold, 3. December 2009 @ 13.05

    Die abgeschalteten W-Protokolls wurden von Google wiedereingeschaltet, vermütlich nach der erneuerung der Gmail-Dienste. Prüft es!

  • By Carnalboy, 21. August 2009 @ 06.07

    Hatte es versehentlich eingeschaltet… so gings schneller… ist “an sich” zwar logisch, aber wenn man suchen muss dauerts…

Other Links to this Post

  1. Datensammlung Google - Echte-Abzocke.de — 9. May 2010 @ 12.03

  2. Ibrahim Evsan und die Sucht nach “Internet” — 13. December 2009 @ 13.56

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