Kann mobiles Internet schon eine Alternative zum Festanschluß sein?

Meine örtliche Telefongesellschaft führt zwar das Wort “Partner” im Namen, verhält sich m. E. aber nicht besonders partnerschaftlich: Für Neukunden werden jeden Monat bessere Konditionen angeboten, als Bestandskunde gucke ich oft in die Röhre oder habe endlose Diskussionen. Obwohl ich quasi einen unbefristeten Vertrag habe, liegt die Kündigungsfrist bei 1 Jahr! Meinen “Telefonanschluß könne ich jederzeit kündigen, aber die DSL-Flatrate nur jährlich“, erklärt mir die Kunden-Hotline und empfiehlt mir “gefälligst die Prospekte ordentlich zu lesen“. — Da bleibt mir also nichts anderes übrig als den Vertrag sofort zu kündigen und ggf. zu wechseln…

Dabei rückt die komplette Abkehr vom Festnetzanschluß immer mehr in den Fokus. Selbst meine Nachbarin hat als Rentnerin inzwischen eine Homezone“-Lösung und spart Geld dabei. Bei mir geht es dabei aber immer noch um eine vernünftige Internet-Anbindung, sonst würde mir sogar das normale Mobiltelefon mit Prepaid reichen.

Kann mobiles Internet schon eine Alternative zum Festanschluß sein? (Quelle: T-Mobil Newsletter)

Kann mobiles Internet schon eine Alternative zum Festanschluß sein? (Quelle: T-Mobil Newsletter)

Gerade flattert mir wieder ein Newsletter mit der Überschrift “Mobiles Internet — jetzt deutschlandweit unbegrenzt surfen!” ins Haus. Im Infokästchen steht sogar “Flatrate ohne Zeit- und Volumenbegrenzung” und “Mit bis zu DSL 6.000 Geschwindigkeit“. Der Tarif liegt bei rund 40 Euro/Monat — in etwa so hoch wie mein Festnetzanschluß mit DSL 2.000 und ohne Telefonie-Flatrate… Es wäre vielleicht noch keine Ersparnis, man wäre aber etwas flexibler.

Doch dann der Blick in die unvermeindlichen(?) Fußnoten (Hervorhebungen durch Oberlehrer):

Angebot gilt bei Online-Abschluß eines 24-Monats-Vertrags im Tarif web’n’walk Connect L mit einem monatlichen Grundpreis von 39,95 Euro. Der einmaliger Bereitstellungspreis von 24,95 Euro entfällt. Gilt nur im Inland mit unbegrenztem Nutzungsvolumen für paketvermittelten Datenverkehr im Mobilfunknetz von T-Mobile Deutschland. Ab einem Datenvolumen von 5 GB pro Monat wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf Max. 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt. Die Nutzung von VoIP, Instant Messaging und Peer-to-peer Verkehren ist ausgeschlossen. Die Flatrate kann nicht für WLAN und nicht für Verkehre über den BlackBerry APN genutzt werden. Nicht in Verbindung mit MultiSIM buchbar. Eine Weiterveräußerung sowie unentgeltliche Überlassung des Dienstes an Dritte sind unzulässig. T-Mobile behält sich vor, nach 24 Uhr jeweils eine automatische Trennung der Verbindung durchzuführen. Das Angebot ist befristet bis zum 30.09.2008.

Oben ist zwar noch noch unbegrenztem Übertragungsvolumen die Rede (bei versprochenem DSL 6.000), doch schon bei 5 Gigabyte wird auf einfache ISDN-Geschwindigkeit gedrosselt. Gerade bei den immer aufwendigeren Multimedia- und TV-Anwendungen wird es dann schnell eng. K.O.-Kriterium ist aber der Ausschluß von VoIP, Instant Messaging und Peer-to-Peer. Klar, daß man keine Download-Orgien machen soll — wie auch bei der Beschränkung auf 5 GB — aber gerade Opensource-Software wird oft über Peer-to-Peer verteilt und ein komplettes Verbot zusammen mit den anderen Diensten ist nur das halbe Internet!

Es ist eben ein Angebot von T-Mobile, bekannt für den unattraktiven Knebelvertrag in Sachen Apple iPhone… Aber die Mobilfunkanbieter haben begriffen, daß ein attraktives Angebot durchaus auch Festnetzkunden auf die mobile Schiene locken kann — selbst, wenn man das Internet nicht immer mit sich herumschleppen möchte, sondern es nur in den eigenen vier Wänden nutzen will (und vielleicht einmal auf einem Barcamp oder so). Und mein Festnetz-”Partner” hat noch nicht begriffen, daß man sich auch um einen Bestandskunden immer wieder bemühen muß und man ihn nicht mit Vertragsspitzfindigkeiten auf Dauer halten kann! Die Überschrift müßte also eher heißen “Das halbe Internet zum vollen Preis“. — Wir bleiben dran…

2 Comments

  • By kl.-m. meyer, 10. November 2008 @ 15.27

    ich würde mal ganz pauschal sagen, nein. leider (noch) nicht. das gleiche gilt übrigens für den festnetzersatz über VoIP. ist leider noch eine zumutung und ich wundere mich, wieviele leute sich da mit schlechter qualität zufrieden geben.

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  1. Oberlehrer (Thorsten Luhm) — 28. September 2008 @ 07.30

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