Datenklau geht weiter um…
Seit Jahren wird Daten- und Identitätsdiebstahl praktiziert (und von der Politik ignoriert), doch erst seit ein paar Wochen ist dies — endlich — Thema in der breiten Öffentlichkeit.
- Im jüngsten Fall soll die Datenbank einer Bewerberplattform ausgeraubt worden und nun rd. 56.000 E-Mail-Adressen samt Paßwort im Umlauf sein, berichtet PC Welt im Artikel “Mail warnt vor Datendiebstahl” (Heise “ZDF warnt 56.000 Anwender vor gestohlenem Passwort [Update])”. Opfer soll ein Server der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sein, was inzwischen in einer Pressemitteilung bestätigt wird. — Aufgedeckt durch das ZDF-Magazin WISO.
- Auch bei Erotik-Versender Beate Uhse standen die Türen sperrangelweit offen: Anscheinend konnte man auf gesammelte Daten einer Kundenverwaltungssoftware (CRM) zugreifen. Aufgefallen war dies, weil Google die Daten schon indiziert hatte und diese z. T. in den Suchergebnissen bei der Suche nach Namen angezeigt wurden (z. B. Welt Online “Beate Uhse verschlampt E-Mail-Adressen im Web“). — Aufgedeckt hat den Fall der freie Journalist Daniel Große aus Leipzig.
- Im vergangenen Monat war eine CD mit zunächst 17.000 Datensätzen aufgetaucht, die Kundendaten samt Bankverbindung enthalten soll. Später erzählt der Informant, daß er über ca. 1,5 Millionen Datensätze verfüge (Spiegel Online). Welt Online greift das Thema im Artikel “Das Milliardengeschäft mit dem Datenklau” auf. — Aufgedeckt durch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
- Fast schon vergessen ist die Meisterleistung der xxxxxxxxxx Behörden: Monatelang haben etwa 15 Kommunen ihre Webportale mit Standardpaßwörtern einer Testinstallation betrieben, so daß persönliche Daten für jedermann abrufbar waren. — Aufgedeckt durch ARD-Magazin “Report München”.
[Kommentar] Obwohl oft von der “Informationsgesellschaft” gesprochen wird, ist der Umgang mit Daten oft erschreckend schlampig: Es fängt beim einzelnen User an, der überall seine Daten eintippert und endet bei sammelwütigen Behörden, die im Reisepaß mehr Daten speichern als in einer Erkennungsdienstlichen Behandlung, die früher nur Schwerverbrechern vorbehalten war. Komischerweise werden trotz Überwachungsstaat-Ambitionen und immer neuer Polizei-Rechte die Skandale im Umgang mit Daten nicht von Behörden aufgedeckt, sondern sie sind Teil des Problems. — Gerade wer nichts zu verbergen hat, sollte sparsam mit der Verteilung seiner persönlichen Daten umgehen und damit die Grundwerte dieser Gesellschaft schützen, vor Betrügern wie vor einem Orwell-Staat.
- Mail warnt vor Datendiebstahl
- ZDF warnt 56.000 Anwender vor gestohlenem Passwort [Update]
- PM von PricewaterhouseCoopers zum Datenklau
- Beate Uhse verschlampt E-Mail-Adressen im Web (Welt Online)
- Na, Weihnachten Lust gehabt? Wie Beate Uhse mit Kundendaten umgeht.
- Informant besitzt 1,5 Millionen Adressen (Spiegel Online)
- Das Milliardengeschäft mit dem Datenklau
4 Comments
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By Oberlehrer, 19. October 2008 @ 12.06
Man kommt ja mit den Updates gar nicht mehr hinterher, denn in dieser Woche sind wieder zwei “Datenpannen” zu vermelden:
Golem “Panne beim KIKA: Kinderdaten für jeden einsehbar” (16.10.2008, 1.000 Adressen von Kindern)
FAZnet “Datenpanne bei Anzeigenblättern von Axel Springer” (19.10.2008, 18.000 und möglw. mehr Daten von Anzeigenkunden)
By Oberlehrer, 3. October 2008 @ 15.43
Welt Online berichtet von einem weiteren Fall: Datendieb entwischt mit Kundendaten der Telekom (1. Oktober 2008): Die zentrale Kundendatenbank der Deutschen Telekom war jahrelang kein großes Geheimnis: Im Prinzip konnte jedermann von jedem Computer aus die Daten abgreifen.
By Oberlehrer, 1. October 2008 @ 08.45
Zur Ergänzung noch zwei Meldungen von Focus:
Geheime Unterlagen bei Ebay verkauft — Eine Digitalkamera mit angeblichen Fotos des britischen Geheimdienstes von El-Kaida-Verdächtigen ist beim Internet-Auktionshaus Ebay verkauft worden.
Millionen Kontodaten bei Ebay-Auktion — Ein bei Ebay versteigerter Computer enthielt die Angaben von rund einer Million britischen Bankkunden – inklusive Kontonummern und Unterschriften.
By Waldemar, 30. September 2008 @ 23.27
Damit kein Unfug mit den persönlichen Daten betrieben werden kann ist es ganz wichtig, z.B. auf Bewerberportalen wie bei PwC ne andere Email Adresse zu verwenden als sonst. Und selbstverständlich ein spezielles Passwort. Auf keinen Fall das Passwort von Zahlungssystemen wie Paypal, ClickAndBy, usw. verwenden. Sonst hat man schnell ein finanzielles Problem :)