Pocket-Web [Erfahrungsbericht]

Pocket Web verspricht preiswerte Online-Nutzung.Zeitweise wird Pocket-Web von Web.de bzw. 1&1 massiv beworben und wird dabei mit jeder Aktion preiswerter. Es soll eine günstige Alternative zu “Blackberry” von RIM sein, das für Privatleute i. d. R. zu teuer ist. Auch ich habe mir im vergangenen Jahr so ein Gerät angeschafft — obwohl eine Vertragsbindung für mich eigentlich ein “k.o.”-Kriterium ist. Aber eine 9,90-Euro-Flatrate für eine mobile E-Mail-Nutzung scheint mir dann doch vertretbar.

Das technisch als “normales” Mobiltelefon realisierte Pocket-Web (im Gegensatz zu WLAN) sieht eher rustikal als schick aus und ist auch zum Telefonieren geeignet (sofern man einen Blutooth-Kopfhörer anschließt). Da ich auch eher per E-Mail als per SMS kommuniziere, ist das Gerät reizvoll. Bisher leite ich als Kompromiß die “Betreff”-Zeile via SMS aufs Handy, was aber nicht immer ausreicht. Außerdem ist man bei Pocket-Web jetzt nicht mehr an bestimmte E-Mail-Postfächer gebunden, sondern kann ohne Aufpreis bis zu vier eigene Accounts einrichten. Ferner könnte der Browser bei Recherchen beim Geocaching interessant sein.

Nicht alle der angezeigten Funktionen kann man nutzen, wenn man nicht extra dafür zahlt...

Nicht alle der angezeigten Funktionen kann man nutzen, wenn man nicht extra dafür zahlt…

E-Mail

Am besten kommt man mit E-Mails klar, die als reiner Text gesendet werden. Bei den “beliebten” HTML-E-Mails, wie sie leider in vielen Programmen automatisch verwendet werden, findet eine mehr oder weniger erfolgreiche Umformatierung statt. Auf diese Bearbeitung wird am Ende der Mail groß und breit hingewiesen — wenn man Besitzer des Gerätes ist, erübrigt sich m. E. dieser Hinweis am Ende wirklich jeder Mail und stört nur beim Weiterscrollen. Längere Mails werden darüber hinaus aufgeteilt und müssen dann stückweise in kleinen Portionen heruntergeladen werden.

Anhänge werden komischerweise nur angezeigt, wenn sich eine Mail in einem Web.de-Postfach befindet (dann allerdings auch nur eingeschränkt). Wird sie über einen Sammeldienst an meinen Hauptaccount weitergeleitet, sind sie nicht mehr verfügbar.

SMS

Wer Pocket-Web zusätzlich zu seinem Mobiltelefon nutzt — und dieses auch nicht abschaffen möchte — hat vielleicht die Hoffnung, daß man das Gerät für die SMS -Verwaltung nutzen kann. Obwohl man irgendwo gefragt wird, ob die Nummer angezeigt werden soll, wird sie auch bei “nein” beim Empfänger angezeigt (Nummernunterdrückung geht anscheinend nur für Telefonie). Auch eine andere Antwortnummer kann nicht verwendet werden (ähnlich “Reply to” bei E-Mails). Es hilft nichts: Die SMS werden unter einer neuen (Vodafone-) Telefonnummer versandt, was bei den überraschten Empfängern teilweise zu Verwirrungen führt, wenn sie den Absender nicht gleich zuordnen können. Wenn nicht, antworten diese “natürlich” auf die neue Nummer und man hat jetzt zwei Nummern an der Backe, wo SMS ankommen können.

Außerdem ist der SMS-Versand mit fast 20 Cent pro Nachricht überdurchschnittlich teuer. Mit dem SMS-Paket für 10 Euro monatlich extra sinkt der Preis auf rund 10 Cent/SMS, was Durchschnitt, aber nicht besonders attraktiv ist (und es entfallen beim Neuabschluß irgendwelche Gebühren). SMS-Kosten werden natürlich zusätzlich zur Flatrate-Grundgebühr in Rechnung gestellt.

Schnattern

Die Chatfunktion kann man alternativ zu E-Mail-Accounts bei gleichen Kosten auswählen oder für rund 10 Euro monatlichen Aufschlag dazunehmen. Die Chat-Funktion ist bei meinem Gerät nicht aktiviert (und ich wüßte damit auch gar nichts anzufangen).

Brausen

Der Zugriff auf das Internet ist der zweite wichtige Grund, warum ich ein mir Pocket-Web zugelegt habe. Der Bildschirm im Querformat und die “vollständige” Tastatur versprechen eine ordentliche Grundlage. Leider ist der Browser sehr wählerisch: Mit ordentlich programmierten Webseiten kommt er ziemlich gut klar, da aber “Designer” sich immer wieder über Standards hinwegsetzen, steht man aber auch oft vor verschlossenen Türen: Flash geht natürlich nicht (erst recht nicht “Youtube”), bei Frames wird eine Auswahl präsentiert, welchen Frame man denn sehen wolle… (allerdings ohne Inhalt, sondern nur mit dem Dateinamen!)

Nicht alle Webseiten lassen sich gut darstellen.

Nicht alle Webseiten lassen sich so gut darstellen.

Bei der Internet-Nutzung muß man einige Kompromisse machen. Viele webbasierte Dienste funktionieren nicht oder lassen sich kaum noch vernünftig bedienen (das Display hat nur 240 x 160 Pixel). Da der Browser in seinen Darstellungsmöglichkeiten insgesamt ziemlich eingeschränkt ist, kann man ihn gut als Test für barrierefreies Internet nutzen.

News

RSS-Feeds machen nur bedingt Freude.

RSS-Feeds machen nur bedingt Freude. “Vordefinierte” Feeds funktionieren, bieten aber nur sehr kurze Texte. Ein “Weiterlesen” auf der zugehörigen Website funktioniert nicht immer bzw. führt zu anderen Seiten. Eigene Feeds werden z. T. nicht erkannt. Wenn ich mich nicht irre, ist die Anzahl der abonnierbaren RSS-Feeds auf 10 beschränkt. — Für Fans von RSS nicht gerade viel…

Mit RSS könnten viele Nachrichten preisgünstig übertragen werden.

Die Grenzen bei RSS sind ärgerlich, da der Text gut lesbar ist und die Übertragung den Provider auch nicht viel Traffic kostet. Ein Ausweichen auf webbasierte Dienste bietet wg. des kleinen Displays nur eine begrenzte Freunde.

Telefonie

Zum Telefonieren braucht man Zubehör...Telefonie habe ich nie genutzt, da ich über keine Blutooth-Freisprecheinrichtung verfüge. Es könnte auch mit einem Kabel funktionieren, aber sich durchschnittliches Computer-Equipment dazu nicht eignet, verbleibt auch dieser Versuch (Mic und Ear auf einem Stecker). — Nicht destotrotz finde ich hin und wieder einige “Anrufe in Abwesenheit” in der Benachrichtigungsliste…

Zum Telefonieren braucht man Zubehör…

Immerhin besteht eine gewisse Verknüpfung mit dem Adreßbuch, so daß man Nummern nachschlagen und direkt wählen kann. Vom Gebührenmodell ist Telefonie aber kein Schnäppchen und rangiert trotz Vertragsbindung eher im oberen Bereich (ähnlich SMS).

Adreßbuch

Ein Adreßbuch ist für mich eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale, wenn es um elektronische Sklaven geht. Nichts ist m. E. sinnloser als jedes Jahr seine Kontakte in einen neuen Kalender zu übertragen. Auch ein Ringbuch-Kalender hilft bei umfangreichen Einträgen oder vielen Änderungen nur bedingt weiter. Auch werden bei mir nicht nur die wichtigsten Kontakte verwaltet, sondern alle! Das heißt, gerade die selten genutzten müssen notiert und mit Hintergrundinformationen versehen werden.

Dementsprechend macht mich die Angabe bis zu 500 Kontakte schon mißtrauisch, mein komplettes Adreßverzeichnis erreicht knapp 900 Einträge. Ich stelle mich also schon mal seelisch darauf ein, mich doch auf die wichtigeren Einträge zu konzentrieren…

Die Speicherkapazität des Adreßbuches hängt vom Umfang der einzelnen Einträge ab.

In mühseliger Kleinarbeit teile ich mein Adreßbuch also in “normal” und “Archiv” ein. — Voilà, das normale Adreßbuch umfaßt nur nur rund 450 Einträge.

Die Speicherkapazität des Adreßbuches hängt vom Umfang der einzelnen Einträge ab.

Doch zu früh gefreut. Es heißt ja nicht umsonst bis zu… Die wahre Speicherkapazität richtet sich nicht nach der absoluten Anzahl der Einträge, sondern auch nach deren Speicherbedarf: Beim Synchronisieren ist bei knapp 240 Einträgen Schluß. Das kommt davon, wenn man in ein Adreßbuch nicht nur Name und Telefonnummer einträgt, sondern auch eine zweite Telefonnummer, eine Faxnummer, E-Mail und Postanschrift. Bei manchem gibt es auch im Notizfeld einen kleinen Infotext. — Da jetzt der Speicher randvoll ist, kann ich auch keine Funktionen mehr nutzen, die neue Kontakte ins Adreßbuch verschieben wollen.

Notizen & Todo

Es doch eigentlich Standard, daß zu einem PIM die Funktionen Notizen und Aufgabenliste gehören. Ich brauche eigentlich nicht beide, aber Pocket-Web bietet keine von beiden. Was soll man also tun, wenn man die Buchempfehlung eines Kollegen notieren möchte..? Ich schicke mir schnell eine E-Mail, weil mir dabei eines großes Eingabefeld zur Verfügung steht.

Kalender

Den Kalender kann man in der Tages-, Wochen- und Monatsansicht aufrufen. Er ähnelt dabei stark dem Outlook-Aussehen. In der Tagesansicht werden die Termine noch direkt als Text angezeigt, schon in der Wochenübersicht gibt es nur Balken. Wenn man mit dem Cursor über einem Eintrag steht, wird aber der zugehörige Text angezeigt. Terminen kann man die Wertigkeit “belegt”, “Vorbehalt” und “frei” geben und sich erinnern lassen. Nicht ganz so toll ist die Eingabe neuer Termine. Man kann zwar Tag, Uhrzeit und Grund eintragen, aber keine Wiederholung.

Der Kalender ist übersichtlich und bietet verschiedene Darstellungen.

Der Kalender ist übersichtlich und bietet verschiedene Darstellungen.

Beim Synchronisieren des Kalenders gibt es bisher keine Probleme. Mengenmäßig beschränkt er sich ja sowieso auf einen bestimmten Zeitraum und alte Einträge werden automatisch gelöscht — also zum Nachschlagen fürs Alibi nur bedingt zu gebrauchen.

Extras

Bei den “Extras” findet sich nur ein Ogo Blocks genanntes Tetris und der Hinweis auf kostenpflichtigen Support. Einfache Extras wie einen Taschenrechner oder einen Wecker gibt es nicht. Selbstverständlich gibt es auch keinen MP3-Spieler, weil es auch keinen Kartenslot gibt. Wenn man bedenkt, wie “fett” die Hardware ist, kann man dies nur als künstliche Beschränkung verstehen.

Hardware

Die Hardware von Ogo sieht zwar nicht so hübsch aus, hat technisch bisher aber gut durchgehalten. Das schwarze Gehäuse ist zwar relativ Fingerabdruck-empfindlich, aber Kratzer oder gar echte Beschädigungen hat es bisher nicht davon getragen.

Betriebsdauer

Wie lange Pocket-Web mobil ist, habe ich nicht gemessen — geschätzt: “mehrere Tage”. Leider läßt sich die Display-Helligkeit nicht regeln, was dann bei Benutzung erheblich Strom verbraucht (weil sie sehr hell eingestellt ist). Auch wenn es nicht ausdrücklich gesagt wird, sieht die Stromversorgung einem Nokia-Akku verdammt ähnlich (der älteren Generation à la 3110). Sprich, man kann ggf. günstig Ersatz bekommen. Generell wird das Gerät via Mini-USB aufgeladen (über ein separates Netzteil).

Tastatur

Das Pocket-Web-Gerät wird gern als “mit vollständiger Tastatur” beworben und dies auf vielen Webseiten nachgeplappert. Vollständig ist sie insofern, als daß es sich nicht wie bei einem Mobiltelefon um eine 4fach belegte numerische Tastatur handelt. Es sind alle lateinischen Buchstaben vorhanden, was schon mal ein Fortschritt ist. “Deutsch” ist die Tastatur allerdings nur bedingt, denn “Y” und “Z” zu vertauschen reicht dazu nicht aus. Die Umlaute haben keine eigenen Tasten, sondern müssen durch längeres Drücken der ähnlichen Zeichen ein Minimenü aufrufen: “A” für “Ä”, wobei dann auch gleich noch weitere Varianten angezeigt werden. Mit Hilfe der “CAP”-Taste wird die Großschreibung gesteuert, mit “ALT” Ziffern und Interpunktionszeichen.

Trotz vieler Tasten bleibt auch hier eine Doppelbelegung leider nicht aus.

Trotz vieler Tasten bleibt auch hier eine Mehrfachbelegung leider nicht aus.

Die Tasten sind von innen beleuchtet, was bei schlechten Lichtverhältnissen besonders den schwarzweißen Tasten zu Gute kommt, während die blauweißen etwas unscharf wirken (nur das Sreuerkreuz bleibt unbeleuchtet). Der Druckpunkt der Tasten ist sehr stark, so daß man die Tasten wie beim Mobiltelefon am besten mit den Daumen bedient, was sich schon aus Platzgründen anbietet.

Design

Das reine Aussehen ist sicherlich Geschmackssache — mir kommt das Gerät ziemlich klobig vor, zweckmäßig (seit Jahren ist ein verbessertes NachfolgemodellOGO CT-25” erhältlich, das ein wenig eleganter rüber kommt und technisch weiter entwickelt ist). Das Auf- und Zuklappen macht allerdings einen soliden Eindruck. Tipp: Da dies Gerät in technikinteressierten Kreisen inzwischen eine weite Verbreitung gefunden hat, sollte man es markieren, damit es am Stammtisch nicht zu Verwechselungen kommt.

Sicherheit

Obwohl es ein mobiles Gerät ist, gibt es nur bedingt Sicherungsfunktionen. Es gibt zwar eine PIN wie beim Mobiltelefon, doch das wirkt ja nur beim kompletten Ausschalten des Gerätes. Wünschenswert wäre eine Kennwortabfrage nach Inaktivität wie es bei PDAs möglich ist.

Fazit

Nachdem ich Pocket-Web jetzt einige Monate im Einsatz habe, ist mein persönliches Fazit durchwachsen: Ja, ich kann E-Mails abrufen und versenden, allerdings werden selbst unproblematische Anhänge nicht angezeigt (z. B. reiner Text oder JPG-Bilder). Ja, ich kann Internetseiten aufrufen, aber Darstellung und Funktionalität sind sehr eingeschränkt. News (RSS-Feeds) lassen sich nicht immer abrufen (z. B. die meiner eigenen Blogs), die vorgegebenen Nachrichtenkanäle liefern nur sehr kurze Texte, die Weiterleitung zur weiterführenden Informationen führt meist auf eine Standardseite. Der Versand von SMS ist komfortabler, ist aber durch die zusätzliche Mobilfunknummer auf Dauer nicht unproblematisch (und im jetzigen Tarif teuer). Der Kalender bietet eine gute Übersicht, ist für die Planung aber nur bedingt zu gebrauchen (keine Wiederholungen). — Der modernere Ogo wird anscheinend über Debitel/CallYa/Ogo mit einer günstigen Flatrate für Chat und E-Mail für 4,95 EUR/Monat angeboten. Auf der Website sind die Infos zu den kritisierten Punkten aber immer noch dünn…

Nachdem sich auch mein Mobiltelefon Motorola Razr als ziemlicher Flop herausstellt, habe ich auch dort gewechselt: Mein neues Nokia E50 kann beide Geräte nicht nur ersetzen, sondern ist in vielen Punkten erheblich besser. Trotz E-Mail und Internet komme ich ohne Vertrag aus, weil der Tarif auch bei Prepaid z. Zt. 24 Cent pro Megabyte liegt und 10-Kilobyte-weise abgerechnet wird.

Dieser Erfahrungsbericht faßt — wie der Name schon sagt — meine persönlichen Erfahrungen zusammen. Die genauen Vertragskonditionen haben sich inzwischen möglicherweise geändert — meine Kommentare dazu müssen dann ggf. entsprechend neu bewertet werden. Das Gerät steht mir inzwischen nicht mehr zur Verfügung, so daß ich Details nicht mehr überprüfen kann. — Korrekturen und Ergänzungen können gern über Kommentare beigesteuert werden.

3 Comments

  • By Amy, 28. November 2008 @ 06.33

    Endlich mal ein vernüfntiger Erfahrungsbericht zum Pocketweb in der Blogosphähre, ansonsten liest man nur Oberflächliches wie hier zum Beispiel. Danke für den Bericht, habe lange gesucht nach einem tauglichen Bericht!!

  • By eugene, 23. October 2008 @ 21.48

    Vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht.

Other Links to this Post

  1. Neuer Erfahrungsbericht zum Pocketweb von 1&1 @ PocketWeblog.de — 23. July 2008 @ 10.22

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